Sicherheit 29. September 2022

Mögliche Strommangellage

Aufgrund der aktuellen Lage droht im kommenden Winter eine Strommangellage. Wir haben Christoph Stucky, Chief Information Security Officer bei Open Circle, gefragt, wie er die Lage einschätzt, wie Open Circle auf die Situation vorbereitet ist und was Unternehmen jetzt vorbeugend tun können.

Strommast Froschperspektive mit Himmel
Wie beurteilst du die Wahrscheinlichkeit einer Strommangellage?

Christoph: Die Schweiz ist im Winter auf Stromimporte angewiesen, vor allem aus Deutschland und Frankreich. Aufgrund der aktuellen Lage, Gasknappheit und Abschaltungen von Atomkraftwerken, ist die Liefersituation unsicher. Ein kalter Winter mit erhöhtem Stromverbrauch könnte so zu einem Versorgungsengpass, also einer Strommangellage führen. Grundsätzlich wird eine solche Lage dann eintreten, wenn der Verbrauch die verfügbaren Produktionskapazitäten übersteigt und daraus ein Mangel an elektrischer Energie resultiert.

Wie sieht der offizielle Massnahmenplan im Falle einer Strommangellage, aus?

Christoph: Die OSTRAL ist für die schweizweiten Massnahmen bei einer langanhaltenden Strommangellage zuständig. Die OSTRAL ist die Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen und untersteht der wirtschaftlichen Landesversorgung des Bundes. Für den Fall einer Mangellage hat die OSTRAL ein mehrstufiges Massnahmenportfolio erarbeitet. Primär wird die Bevölkerung gebeten, freiwillig Strom zu sparen. Reicht das nicht, werden nicht absolut notwendige, energieintensive Geräte verboten werden. Als dritter Schritt kommt eine Kontingentierung zum Einsatz, die Grossverbraucher dazu verpflichtet, ihren Stromverbrauch zu reduzieren. Als vierte und letzte Massnahme wird der Strom abwechselnd in verschiedenen Regionen abgeschaltet.

Von welchen Massnahmen wären Open Circle und ihre Kunden betroffen?

Christoph: Von den ersten beiden Phasen wären wir und unsere Kunden nur marginal betroffen. Wir könnten beispielsweise auf die Leuchtreklame am Empfang verzichten oder auf Steckleisten mit Kippschalter und komplett auf LED umrüsten. Reicht das nicht aus, werden wir aufgefordert, den Stromverbrauch unserer Datacenter zu reduzieren. In Phase 4 wird es auch die Regionen treffen, wo unser Büro/Datacenter sowie die Büros unserer Kunden stehen. Wie der Bund Phase 3 und 4 genau umsetzen wird, ist noch nicht abschliessend geklärt. Aus diesem Grund treffen wir Annahmen, um uns auf diese zwei Phasen vorzubereiten.

Inwiefern bereitet sich Open Circle auf die Phase 3 vor?

Christoph: Open Circle entwickelt einen Plan zur Kontingentierung der Datacenter. Wir analysieren unsere Systeme und Prozesse, priorisieren diese nach Wichtigkeit, und ermitteln Einsparpotenziale. Es könnte sein, dass nicht benötigte Vorproduktions-, Entwicklungs- und Testumgebungen heruntergefahren werden können. Zudem könnten wir virtuelle Server auf weniger Hosts sammeln und freigewordene Server abschalten.

Inwiefern ist Open Circle auf die Phase 4, die zyklischen Abschaltungen, vorbereitet?

Christoph: Die Phase 4 mit ganzen Abschaltungen ist für die Datacenter-Lösung wie die Swiss Business Cloud am wenigsten problematisch. Open Circle betreibt seine Serversysteme seit vielen Jahren in hochprofessionellen Datacentern. Diese sind mit mehrfach redundanten Stromversorgungen ausgestattet. Dazu gehören batteriegestützte USV-Anlagen, wobei USV für unterbrechungsfreie Stromversorgung steht, sowie Dieselgeneratoren. Letztere können im laufenden Betrieb nachbetankt werden. So sind wir in der Lage, auch Stromausfälle von mehreren Tagen zu überbrücken.

Beispielbild eines Notstromgenerators mit Dieselantrieb

 

Das heisst, der Zugriff auf sämtliche IT-Systeme ist jederzeit gewährleistet?

Christoph: So einfach ist das nicht. Wir gehen davon aus, dass wir die Datacenter-Dienste durchgehend zur Verfügung stellen können. Wie sich aber unsere Kunden mit den Systemen verbinden können, wenn es keinen Strom mehr gibt und ihre Büros offline sind, ist eine andere Frage. Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet, die genau diesen Fragen nachgeht. Sobald wir aus der Arbeitsgruppe Resultate haben, werden wir unseren Kunden beratend zur Seite stehen.

Was können unsere Kunden jetzt tun?

Christoph: Zur Vorbereitung auf eine mögliche Strommangellage empfehlen wir, die Website der OSTRAL zu besuchen. Sie verschafft einen guten Überblick und ermöglicht einen leichten Einstieg ins Thema: www.ostral.ch

Zudem können sich unsere Kunden mit uns in Verbindung setzen, damit wir gemeinsam eine Business Continuity-Planung erstellen können. Dabei ermitteln wir betriebskritische Dienste und erarbeiten gemeinsam eine Lösung für die Szenarien.

Nimm mit uns Kontakt auf, wir beraten dich gerne, wie du dein Unternehmen auf die ausserordentliche Lage vorbereiten kannst.

Beratung anfordern

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Christoph Stucky
Chief Information Security Officer

 

 

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